Gewirr
Gewirr
Auf dem Weg zu einer Allgemeinen Pädagogik ohne Rest
Auf dem Weg zu einer Allgemeinen Pädagogik ohne Rest 

Hochschullehre heute

T H E S E N

Evaluation der Hochschullehre in den Bildungswissenschaften heute heißt: Diskutieren über das Loch in der Hose des Kaisers, um davon abzulenken, dass er gar keine an hat!

Eine auf intersubjektive Reflexion und damit Kommunikation angewiesene Lehre wie die der Bildungswissenschaften mit der Regelgröße 60 Studierende pro Seminar, wie in der Akkreditierung legitimiert (!!!), ist nicht zu leisten. (Auch das heute oft beschworene 'selbstgesteuerte Studieren' kann dieses nicht heilen, da sich die Kriterien für die Selbststeuerung eben erst in differenzierten tatsächlichen Diskursen bilden können.) Die Studiensituation ist so, als gäbe man angehenden Pianisten pro Studierender/m nur eine Oktave zum spielen frei um die Klaviere und Lehrerzeiten besser zu nutzen. Dazu brauche ich keine Messung, dass ist offensichtlicher Blödsinn! ... 


Akkreditierungsagenturen erhalten, wie Ratingagenturen die Finanzblase erhalten, diese 'Bildungsblase'! Sie sind die Marschalle, die dem Kaiser ohne Kleider, seine fortdauernde Existenz garantierend, voranschreiten!

Der Unterschied von naturwissenschaftlicher ‚Wahrheit’, die im normalen Lebens- und Erfahrungsfeld der Menschen im Sinne von (Produkt-)Eigenschaften messbar ist, und geisteswissenschaftlichen Qualitäten, die als historische Übereinkünfte oder ästhetische Setzung – verallgemeinert: semantische Kerne – eben nicht messbar, aber verhandelbar und objektivierbar sind, führt bei einer Verallgemeinerung des naturwissenschaftlichen Denkmodells in den von den Geisteswissenschaften abgebildeten Bereich der (Menschen-)Welt hinein dazu, dass dieser Bezug auf die Messbarkeit nicht alleine den Fokus auf semantisch irrrelevante, aber messbare Aspekte der Menschenwelt verschiebt, sondern dass eben diese Verhandlungen um die Normen und deren Fortentwicklung, d.h. die intersubjektive Entwicklung von Qualität unmöglich gemacht werden.

Da wo nur noch eindeutig gesprochen werden darf und nur noch Methode und Fakten zählen, wird das Semantische, das Kultur erst konstituiert(!), beliebig bzw. subjektiv und ist so zwar beobachtbar, aber nicht mehr verhandelbar. Qualität in Kommunikativen Systemen entwickelt sich eben erst durch und in diesen Verhandlungen und wird erst so intersubjektiv existent und intrasubjektiv verfügbar. Wird dies verhindert, ist dies im engen Sinne eine existenzielle Gefährdung von Kultur.

(DRUCKFASSUNG) 

Creative Commons Lizenzvertrag


Druckversion Druckversion | Sitemap
© Peter Rödler