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Auf dem Weg zu einer Allgemeinen Pädagogik ohne Rest
Auf dem Weg zu einer Allgemeinen Pädagogik ohne Rest 

 

 

Hochschullehre heute

„Das Problem mit einem Naziverbrecher wie Eichmann war, dass er beharrlich alles Persönliche weit von sich wies. Als sei keiner übrig, den man bestrafen oder dem man vergeben konnte. Er widersprach immer wieder den Behauptungen der Staatsanwaltschaft und gab an, er habe nie irgendetwas aus eigener Initiative getan. Er habe nie ‘Intentionen’ irgendwelcher Art gehabt, weder gut noch böse, Er habe lediglich Befehle ausgeführt. Diese typische Nazi-Ausrede macht deutlich: Das schlimmste Übel in der Welt ist das Böse, das von Nobodies begangen wird. Böses begangen von Menschen ohne jedes Motiv, die keine Überzeugungen, kein böses Herz oder dämonische Absichten haben. Von Menschen, die sich weigern ‘Personen’ zu sein. Und gerade dieses Phänomen habe ich die ‘Banalität des Bösen’ genannt. ... ... Seit Sokrates und Platon verstehen wir das Denken als stillen Dialog mit sich selbst. Durch seine Weigerung eine Person zu sein, hat Eichmann die eine entscheidende menschliche Fähigkeit völlig aufgegeben, die Fähigkeit zu denken. Als Folge davon war er nicht mehr in der Lage, moralisch zu urteilen. Diese Unfähigkeit zu denken, macht es für viele gewöhnliche Menschen möglich, Gräueltaten gewaltigen Ausmaßes zu begehen. Taten in einer Größenordnung, wie man sie nie zuvor gesehen hatte. Es ist wahr: Ich habe diese Fragen philosophisch behandelt. Der ‘Wind des Denkens’ zeigt sich nicht im Wissen, sondern in der Fähigkeit, Richtig von Falsch zu unterscheiden, das Schöne vom Hässlichen. Und ich hoffe, dass das Denken den Menschen die Kraft gibt, Katastrophen in den Momenten abzuwenden, wenn schon alles verloren scheint." (Trotta, Margarete von (2012): Hannah Arendt. Mit Barbara Sukowa. Bettina Prokemper. Deutschland, 113 min.)

T H E S E N

Evaluation der Hochschullehre in den Bildungswissenschaften heute heißt: Diskutieren über das Loch in der Hose des Kaisers, um davon abzulenken, dass er gar keine an hat!

Eine auf intersubjektive Reflexion und damit Kommunikation angewiesene Lehre wie die der Bildungswissenschaften mit der Regelgröße 60 Studierende pro Seminar, wie in der Akkreditierung legitimiert (!!!), ist nicht zu leisten. (Auch das heute oft beschworene 'selbstgesteuerte Studieren' kann dieses nicht heilen, da sich die Kriterien für die Selbststeuerung eben erst in differenzierten tatsächlichen Diskursen bilden können.) Die Studiensituation ist so, als gäbe man angehenden Pianisten pro Studierender/m nur eine Oktave zum Spielen frei um die Klaviere und Lehrerzeiten besser zu nutzen. Dazu brauche ich keine Messung, dass ist offensichtlicher Blödsinn! ... 


Akkreditierungsagenturen erhalten, wie Ratingagenturen die Finanzblase erhalten, diese 'Bildungsblase'! Sie sind die Marschalle, die dem Kaiser ohne Kleider, seine fortdauernde Existenz garantierend, voranschreiten!

Der Unterschied von naturwissenschaftlicher ‚Wahrheit’, die im normalen Lebens- und Erfahrungsfeld der Menschen im Sinne von (Produkt-)Eigenschaften messbar ist, und geisteswissenschaftlichen Qualitäten, die als historische Übereinkünfte oder ästhetische Setzung – verallgemeinert: semantische Kerne – eben nicht messbar, aber verhandelbar und objektivierbar sind, führt bei einer Verallgemeinerung des naturwissenschaftlichen Denkmodells in den von den Geisteswissenschaften abgebildeten Bereich der (Menschen-)Welt hinein dazu, dass dieser Bezug auf die Messbarkeit nicht alleine den Fokus auf semantisch irrrelevante, aber messbare Aspekte der Menschenwelt verschiebt, sondern dass eben diese Verhandlungen um die Normen und deren Fortentwicklung, d.h. die intersubjektive Entwicklung von Qualität unmöglich gemacht werden.

Da wo nur noch eindeutig gesprochen werden darf und nur noch Methode und Fakten zählen, wird das Semantische, das Kultur erst konstituiert(!), beliebig bzw. subjektiv und ist so zwar beobachtbar, aber nicht mehr verhandelbar. Qualität in Kommunikativen Systemen entwickelt sich eben erst durch und in diesen Verhandlungen und wird erst so intersubjektiv existent und intrasubjektiv verfügbar. Wird dies verhindert, ist dies im engen Sinne eine existenzielle Gefährdung von Kultur.

Zur Verpflichtung von Wissenschaft und Politik

 

(zur Frage ab 50:55; aber auch insgesamt wichtig!)

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© Peter Rödler